DVO Leitlinie 2023

Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und Männern

Das Update der DVO-Leitlinie 2023 bringt einen Paradigmenwechsel: Die Risikoberechnung erfolgt nun basierend auf dem 3-Jahres-Frakturrisiko statt dem 10-Jahres-Risiko.

Key Finding

Bei sehr hohem Frakturrisiko (>10% in 3 Jahren) wird primär eine osteoanabole Therapie (z.B. Teriparatid, Romosozumab) empfohlen (Sequenztherapie).

Studientyp
S3 Leitlinie Leitlinie
Organisation
DVO
Stand
Oktober 2023

Wesentliche Neuerungen

Die Leitlinie ersetzt das 10-Jahres-Risiko durch ein 3-Jahres-Frakturrisiko für Wirbelkörper- und proximale Femurfrakturen. Dies ermöglicht eine präzisere Indikationsstellung für osteoanabole Therapien.

Diagnostik & Risikobewertung

  • Basisdiagnostik: Anamnese, Klinische Untersuchung, DXA-Messung (LWS/Hüfte), Labor (Ausschluss sekundärer Ursachen).
  • Risikofaktoren (Rheuma): Rheumatoide Arthritis, axiale Spondyloarthritis, SLE und Glukokortikoidtherapie (>2.5mg/d) erhöhen das Risiko signifikant.
  • Indikation zur DXA: Großzügige Indikation bei Risikofaktoren (z.B. GC-Therapie, aromatasehemmende Therapie, Frakturen anamnestisch).

Therapieschwellen (3-Jahres-Risiko)

  • 3 bis < 5 %: Basismaßnahmen empfohlen.
  • 5 bis < 10 %: Spezifische medikamentöse Therapie empfohlen (in der Regel antiresorptiv).
  • ≥ 10 %: Spezifische medikamentöse Therapie soll durchgeführt werden. Prüfung einer osteoanabolen Therapie (Teriparatid, Romosozumab).

Therapie-Algorithmus

Die Therapieentscheidung basiert auf dem Risikoprofil:

  • Standardrisiko (Antiresorptiva): Bisphosphonate (Alendronat, Risedronat, Zoledronat) oder Denosumab.
  • Sehr hohes Risiko (Sequenztherapie): Bei imminentem Frakturrisiko (z.B. frische WK-Fraktur, T-Score < -2.5) Start mit Osteoanabolika (Teriparatid 24 Mon. oder Romosozumab 12 Mon.), gefolgt von Antiresorptiva ("Lock-in" des Gewinns).
  • Glukokortikoid-induzierte Osteoporose (GIOP): Großzügiger Einsatz von Teriparatid oder Denosumab/Bisphosphonaten.

Cave: Kiefernekrosen

Vor Beginn einer antiresorptiven Therapie (BP/Denosumab) sollte eine zahnärztliche Vorstellung erfolgen. Das Risiko ist bei osteologischer Dosierung gering, aber vorhanden.

Basismaßnahmen

  • Kalzium: 1000 mg/Tag (primär über Ernährung, ggf. Supplementierung).
  • Vitamin D: 800–1000 IE/Tag bei nachgewiesenem Mangel oder fehlender Sonnenexposition (Ziel: > 20 ng/ml).
  • Bewegung: Kraft- und Koordinationstraining zur Sturzprophylaxe.

Tool-Hinweis

Für die genaue Risikoclaimung und Therapieentscheidung nutzen Sie die DVO-App oder die Online-Rechner des DVO.