Symptome und Anzeichen
Die Beschwerden entwickeln sich oft schleichend über Wochen. Typisch sind:
Frühe Symptome
- Morgensteifigkeit: Die Gelenke sind morgens steif (> 30 Min.), Besserung durch Bewegung.
- Gelenkschwellungen: Weich, elastisch, oft an den Fingergrund- und Mittelgelenken (MCP/PIP) und Handgelenken.
- Symmetrie: Meist sind beide Körperseiten betroffen (z.B. beide Handgelenke).
- Schmerzen: Vor allem in Ruhe und nachts (Ruheschmerz).
- Gaensslen-Zeichen: Schmerz beim Händedruck (Querdruckschmerz der Fingergrundgelenke).
Begleitsymptome (Systemerkrankung)
- Müdigkeit, Erschöpfung (Fatigue)
- Leichtes Fieber, Gewichtsverlust
- Rheumaknoten (derbe Knoten unter der Haut, oft am Ellenbogen)
Window of Opportunity
Bei Verdacht auf RA nicht warten! Ein früher Therapiebeginn (innerhalb der ersten 3-6 Monate) kann Gelenkschäden oft komplett verhindern ("Therapeutisches Fenster").
Ursachen
Die genaue Ursache ist unbekannt, aber es gibt Risikofaktoren:
- Genetik: (z.B. HLA-DRB1, "Shared Epitope") erhöht das Risiko, ist aber kein "Schicksal".
- Rauchen: Der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor! Rauchen erhöht das Risiko für RA und für einen schwereren Verlauf massiv.
- Hormone: Frauen sind häufiger betroffen; Besserung oft in der Schwangerschaft.
Diagnose
Die Diagnose stellt der Rheumatologe anhand klinischer Zeichen, Labor und Bildgebung.
Labor
- Entzündungszeichen: CRP und BSG sind oft erhöht.
- Rheumafaktor (RF): Bei ca. 60-70% positiv (aber unspezifisch).
- ACPA (Anti-CCP): Hochspezifisch für die RA! Wenn positiv, ist die Diagnose sehr wahrscheinlich.
Bildgebung
- Ultraschall (Arthrosonografie): Zeigt sehr früh Gelenkinnenhautentzündung (Synovialitis) und Ergüsse.
- Röntgen: Zeigt erst spätere Schäden (Erosionen).
- MRT: Sehr empfindlich, zeigt Knochenmarködeme (Vorstufe von Schäden).
Krankheitsaktivität messen
Der DAS28 (Disease Activity Score) ist der Standard zur Messung der Aktivität.
Zum DAS28-RechnerBehandlungsmöglichkeiten
Ziel ist die Remission (komplette Beschwerdefreiheit). Die Strategie heißt "Treat-to-Target": Die Therapie wird so lange angepasst, bis das Ziel erreicht ist.
1. Basistherapie (csDMARDs)
Sollte so früh wie möglich starten. Methotrexat (MTX) ist der Goldstandard (Anker-Medikament).
Alternativen/Ergänzungen: Leflunomid, Sulfasalazin, Hydroxychloroquin.
Mehr zu Methotrexat →2. Biologika (bDMARDs)
Bei Versagen der Basistherapie. Gentechnisch hergestellte Antikörper, die gezielt Entzündungsbotenstoffe blockieren.
- TNF-Blocker: Adalimumab, Etanercept...
- IL-6-Blocker: Tocilizumab, Sarilumab.
- T-Zell-Modulatoren: Abatacept.
- B-Zell-Antikörper: Rituximab.
3. JAK-Inhibitoren (tsDMARDs)
Orale Therapie (Tabletten). Wirken sehr schnell und stark, vergleichbar mit Biologika.
Wirkstoffe: Baricitinib, Tofacitinib, Upadacitinib, Filgotinib.
Kortison?
Kortison ("Prednisolon") wirkt schnell und ist wichtig für akute Schübe ("Löschwasser"). Langfristig sollte die Dosis aber so niedrig wie möglich sein (unter 5 mg, idealerweise 0 mg), um Nebenwirkungen zu vermeiden.
🛠️ Prednisolon-Tapering Rechner (COBRA/Standard)Prognose und Leben mit RA
Dank moderner Therapien führen heute viele Patienten ein völlig normales Leben, können arbeiten und Sport treiben. Gelenkzerstörungen und Rollstuhl sind heute selten geworden.
Wichtig für den Erfolg:
- Regelmäßige Einnahme der Medikamente (Adhärenz).
- Nicht Rauchen.
- Bewegung / Sport.
- Impfschutz (Grippe, Pneumokokken, Gürtelrose).
Quellen
- S3-Leitlinie Rheumatoide Arthritis (DGRh, 2024 update)
- EULAR Recommendations for the management of RA (2022 update)