Spondyloarthritiden (SpA)

Eine Gruppe entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, die vor allem die Wirbelsäule und die Gelenke befallen.

Der Begriff "Spondyloarthritis" (SpA) fasst eine heterogene Gruppe von Erkrankungen zusammen, die gemeinsame genetische (HLA-B27) und klinische Merkmale aufweisen. Im Gegensatz zur Rheumatoiden Arthritis ist hier oft nicht die Gelenkinnenhaut, sondern der Sehnenansatz (Enthese) der primäre Ort der Entzündung.

Genetischer Marker

Das Merkmal HLA-B27 ist bei 90-95% der Patienten mit Morbus Bechterew positiv, kommt aber auch bei ca. 8% der gesunden Bevölkerung vor.

Prävalenz (Häufigkeit)
ca. 0,5 - 1 %
Typisches Alter
< 45 Jahre (Beginn)
Geschlecht (m:w)
ca. 1:1 (je nach Form)
Leitsymptom
Entzündl. Rückenschmerz

Was sind Spondyloarthritiden?

Die Gruppe der Spondyloarthritiden umfasst mehrere Krankheitsbilder, die sich überschneiden können.

Achsenskelett

Entzündung der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbein-Fugen (Sakroiliitis).

Periphere Gelenke

Oft asymmetrischer Befall großer Gelenke (Knie, Sprunggelenk) oder "Wurstzehen".

Klassifikation

Man unterscheidet heute klinisch vor allem nach dem vorherrschenden Befallsmuster:

1. Axiale Spondyloarthritis (axSpA)

Hauptsächlicher Befall der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbein-Fugen (Sakroiliakalgelenke).

  • Nicht-radiographische axSpA (nr-axSpA): Entzündung im MRT sichtbar, aber noch keine Schäden im Röntgen.
  • Radiographische axSpA (r-axSpA): Auch als Morbus Bechterew bekannt. Strukturelle Schäden im Röntgenbild sichtbar.

2. Periphere Spondyloarthritis (pSpA)

Hauptsächlicher Befall von großen Gelenken (Knie, Knöchel), Sehnenansätzen oder Fingern/Zehen.

  • Psoriasis-Arthritis (PsA): In Verbindung mit Schuppenflechte.
  • Reaktive Arthritis: Nach Infektionen (Darm/Harnwege).
  • Enteropathische Arthritis: Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn / Colitis ulcerosa).

Typische Symptome

  • Entzündlicher Rückenschmerz: Beginn vor dem 45. Lebensjahr, schleichender Beginn, Besserung bei Bewegung, nächtlicher Schmerz, Morgensteifigkeit > 30 min.
  • Asymmetrische Arthritis: Oft Knie oder Sprunggelenke.
  • Enthesitis: Entzündung der Sehnenansätze (z.B. Achillessehne, Fersenschmerz).
  • Dactylitis: "Wurstfinger" oder "Wurstzehe" (Entzündung des gesamten Strahls).
  • Uveitis: Regenbogenhautentzündung des Auges (Rotes Auge, Lichtempfindlichkeit).

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt durch die Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung, Labor und Bildgebung.

  • Labor: CRP/BSG können erhöht sein (aber oft auch normal!). HLA-B27 ist ein wichtiger Baustein.
  • Bildgebung:
    • MRT: Goldstandard zur Früherkennung (Nachweis eines Knochenmarksödems in den ISG).
    • Röntgen: Zeigt erst spätere Stadien (Verknöcherungen).

Diagnose- und Aktivitäts-Tools

Nutzen Sie unsere Rechner zur Bestimmung der Krankheitsaktivität:

Zum BASDAI Rechner Zum ASDAS Rechner Zum DAPSA (bei PsA)

Therapie

Die Therapie basiert auf einem Stufenschema und richtet sich nach der Aktivität und dem Befallsmuster.

  1. Basis: Physiotherapie und Bewegung (ganz wichtig bei axialem Befall!). Rauchstopp!
  2. NSAR: Nicht-steroidale Antirheumatika (z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Etoricoxib) sind Mittel der ersten Wahl.
  3. Klassische DMARDs: (z.B. Methotrexat, Sulfasalazin) wirken oft nicht an der Wirbelsäule, sind aber bei peripherer Arthritis wirksam.
  4. Biologika & JAK-Hemmer:
    • TNF-Blocker: (z.B. Adalimumab, Gollimumab, Etanercept).
    • IL-17-Inhibitoren: (z.B. Secukinumab, Ixekizumab).
    • JAK-Inhibitoren: (z.B. Upadacitinib, Tofacitinib).

Aktuelle Forschung zu SpA