Was sind Spondyloarthritiden?
Die Gruppe der Spondyloarthritiden umfasst mehrere Krankheitsbilder, die sich überschneiden können.
Achsenskelett
Entzündung der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbein-Fugen (Sakroiliitis).
Periphere Gelenke
Oft asymmetrischer Befall großer Gelenke (Knie, Sprunggelenk) oder "Wurstzehen".
Klassifikation
Man unterscheidet heute klinisch vor allem nach dem vorherrschenden Befallsmuster:
1. Axiale Spondyloarthritis (axSpA)
Hauptsächlicher Befall der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbein-Fugen (Sakroiliakalgelenke).
- Nicht-radiographische axSpA (nr-axSpA): Entzündung im MRT sichtbar, aber noch keine Schäden im Röntgen.
- Radiographische axSpA (r-axSpA): Auch als Morbus Bechterew bekannt. Strukturelle Schäden im Röntgenbild sichtbar.
2. Periphere Spondyloarthritis (pSpA)
Hauptsächlicher Befall von großen Gelenken (Knie, Knöchel), Sehnenansätzen oder Fingern/Zehen.
- Psoriasis-Arthritis (PsA): In Verbindung mit Schuppenflechte.
- Reaktive Arthritis: Nach Infektionen (Darm/Harnwege).
- Enteropathische Arthritis: Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn / Colitis ulcerosa).
Typische Symptome
- Entzündlicher Rückenschmerz: Beginn vor dem 45. Lebensjahr, schleichender Beginn, Besserung bei Bewegung, nächtlicher Schmerz, Morgensteifigkeit > 30 min.
- Asymmetrische Arthritis: Oft Knie oder Sprunggelenke.
- Enthesitis: Entzündung der Sehnenansätze (z.B. Achillessehne, Fersenschmerz).
- Dactylitis: "Wurstfinger" oder "Wurstzehe" (Entzündung des gesamten Strahls).
- Uveitis: Regenbogenhautentzündung des Auges (Rotes Auge, Lichtempfindlichkeit).
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt durch die Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung, Labor und Bildgebung.
- Labor: CRP/BSG können erhöht sein (aber oft auch normal!). HLA-B27 ist ein wichtiger Baustein.
- Bildgebung:
- MRT: Goldstandard zur Früherkennung (Nachweis eines Knochenmarksödems in den ISG).
- Röntgen: Zeigt erst spätere Stadien (Verknöcherungen).
Diagnose- und Aktivitäts-Tools
Nutzen Sie unsere Rechner zur Bestimmung der Krankheitsaktivität:
Therapie
Die Therapie basiert auf einem Stufenschema und richtet sich nach der Aktivität und dem Befallsmuster.
- Basis: Physiotherapie und Bewegung (ganz wichtig bei axialem Befall!). Rauchstopp!
- NSAR: Nicht-steroidale Antirheumatika (z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Etoricoxib) sind Mittel der ersten Wahl.
- Klassische DMARDs: (z.B. Methotrexat, Sulfasalazin) wirken oft nicht an der Wirbelsäule, sind aber bei peripherer Arthritis wirksam.
- Biologika & JAK-Hemmer:
- TNF-Blocker: (z.B. Adalimumab, Gollimumab, Etanercept).
- IL-17-Inhibitoren: (z.B. Secukinumab, Ixekizumab).
- JAK-Inhibitoren: (z.B. Upadacitinib, Tofacitinib).