Methotrexat (MTX)

Der "Goldstandard" der Basistherapie (csDMARD) bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

Methotrexat ist seit Jahrzehnten das weltweit am häufigsten eingesetzte Basismedikament. Es wirkt entzündungshemmend und verhindert Gelenkschäden. Bei korrekter Anwendung ist es sicher und gut verträglich.

Wichtig: Einmal wöchentlich!

MTX wird bei Rheuma nur 1x pro Woche eingenommen (Tabletten oder Spritze). Eine tägliche Einnahme ist lebensgefährlich!

Wirkstoffklasse
csDMARD (Folsäure-Antagonist)
Handelsnamen (Bsp.)
Metex, Lantarel, Nordimet
Applikation
S.c. (Spritze/Pen) oder Oral (Tablette)
Wirkungseintritt
ca. 4 - 8 Wochen

Wirkmechanismus

Methotrexat hemmt in niedriger Dosierung bestimmte Botenstoffe der Entzündung (u.a. Adenosin-Freisetzung). Es ist ein Folsäure-Antagonist, jedoch beruht die Wirksamkeit bei Rheuma primär auf anderen Mechanismen als in der Chemotherapie.

  • Hemmt Gelenkzerstörung (radiologische Progression)
  • Reduziert Schmerzen und Schwellungen
  • Verbessert die körperliche Funktion

Anwendung & Dosierung

Die Standarddosis liegt meist zwischen 10 mg und 25 mg einmal wöchentlich (Metex-Pen bis 50mg verfügbar, rheumatologisch selten >25mg nötig). Der Beginn erfolgt oft mit 15 mg.

Tabletten

Einnahme mit reichlich Flüssigkeit, nüchtern oder zum Essen. Verfügbarkeit im Blut (Resorption) schwankt, daher bei höheren Dosen (>15mg) oft Umstellung auf Spritze sinnvoll.

Spritze / Pen

Subkutane Injektion (unter die Haut). Bessere Aufnahme, weniger Übelkeit, sicherere Wirkung. Kann vom Patienten selbst gespritzt werden.

Nierenfunktion beachten!

Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosis reduziert werden. Zum MTX-Dosisrechner →

Mögliche Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen (oft dosisabhängig):

  • Übelkeit und Unwohlsein ("MTX-Kater") am Tag nach der Gabe
  • Müdigkeit (Fatigue)
  • Kopfschmerzen, Schwindel
  • Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis)

Seltene, ernstere Risiken (Erfordern regelmäßige Laborkontrollen: initial alle 2-4 Wochen, später alle 3 Monate):

  • Leberwerterhöhung (Transaminasen)
  • Blutbildveränderungen (Leukopenie)
  • Lungenentzündung (MTX-Pneumonitis) - bei Husten/Atemnot sofort Arzt aufsuchen!

Die Rolle der Folsäure

Um die Verträglichkeit zu verbessern, wird Folsäure substituiert.

  • Wann? 24 bis 48 Stunden NACH der MTX-Gabe.
  • Warum? Reduziert Übelkeit, Leberschäden und Schleimhautprobleme, ohne die Wirkung von MTX wesentlich zu schwächen.
  • Dosis: Meist 5 mg bis 10 mg wöchentlich.

Kontraindikationen & Besonderheiten

Schwangerschaft & Stillzeit

MTX ist streng kontraindiziert (fruchtschädigend). Bei Kinderwunsch muss es mind. 1-3 Monate vorher abgesetzt werden (Männer und Frauen).


Weitere Gegenanzeigen:

  • Schwere Niereninsuffizienz (GFR < 30 ml/min)
  • Schwere Leberschäden / Alkoholmissbrauch
  • Aktive schwere Infektionen (Pausieren bei Fieber/Antibiotika!)
  • Impfungen mit Lebendimpfstoffen (z.B. Gelbfieber, Masern) sind unter MTX kontraindiziert. Totimpfstoffe (Grippe, Pneumokokken) sind empfohlen.

Alkohol & Leber

Alkoholkonsum sollte eingeschränkt werden. Ein striktes Verbot ist oft nicht nötig, aber täglicher Konsum erhöht das Leberrisiko unter MTX signifikant.