- Vaskulär (Raynaud/PAH): Vasodilatatorische Therapie (CCB, PDE5i, ERA). Keine Immunsuppression für isolierte vaskuläre Probleme!
- Fibrosierend (Haut/ILD): Immunsuppression (MTX, MMF, RTX, TCZ) + Antifibrotika (Nintedanib). Früher Einsatz bei Progress.
- Renal (SRC): ACE-Hemmer bei KRise. CAVE: Cortison >15mg/d ist Hauptrisikofaktor für renale Krise!
- Monitoring: Jährliches Screening auf PAH (Echo, NT-proBNP) und ILD (HRCT/Lufu) ist obligat.
- Nintedanib: Starke Empfehlung bei SSc-ILD (Progressionshemmung).
- Tocilizumab/Rituximab: Wichtige Optionen für Haut & Lunge.
- PAH-Screening: Algorithmus (z.B. DETECT) konsequent anwenden.
Quellen:
Distler O et al. 2024 Update of EULAR recommendations for the treatment of systemic sclerosis.
Ann Rheum Dis 2024. doi:10.1136/ard-2024-226430
Raynaud & Digitale Ulcera
Das Raynaud-Phänomen betrifft >95% aller SSc-Patienten. Therapieziele sind die Reduktion von Attacken und die **Vermeidung von digitalen Ulcera/Nekrosen**.
Kälteschutz, Rauchstopp
Nifedipin retard
Sildenafil / Tadalafil
Bosentan (Prävention)
Iloprost
Therapieoptionen nach Substanzklasse
- Kombinationstherapie (CCB + PDE5i) ist oft wirksamer als Monotherapie.
- Bei therapieresistenten Ulcera: Evaluation von Bosentan zur Rezidivprophylaxe (keine Heilung bestehender Ulcera).
Quellen:
Distler O et al. 2024 Update of EULAR recommendations for the treatment of systemic
sclerosis. Ann Rheum Dis 2024. doi:10.1136/ard-2024-226430
Hautfibrose (dcSSc)
Die Behandlung der Hautfibrose ist **nur bei früher, progressiver diffuser SSc (dcSSc)** indiziert. Bei limitierter SSc (lcSSc) ist die Hautfibrose meist stabil und bedarf keiner immunsuppressiven Therapie.
(mRSS Anstieg, Juckreiz)
s.c. / oral
2-3 g/d
(RTX)
(TCZ)
Ultima Ratio (Expertenzentrum)
Therapieoptionen nach Substanzklasse
Quellen:
Distler O et al. 2024 Update of EULAR recommendations for the treatment of systemic
sclerosis. Ann Rheum Dis 2024. doi:10.1136/ard-2024-226430
Pulmonale Arterielle Hypertonie (PAH)
**Frühes Screening (DETECT-Algorithmus)** ist essentiell. Therapieentscheidung basiert auf Risikostratifizierung (ESC/ERS Guidelines). Ziel: Niedrig-Risiko-Status.
(NT-proBNP ↑, Echo auffällig)
Risikostratifizierung
ERA + PDE5i
+ ERA + PDE5i
Therapieoptionen nach Substanzklasse
Quelle: EULAR 2024 / ESC/ERS Guidelines. ERA: Endothelin-Rezeptor-Antagonisten; PDE5i: PDE-5 Inhibitoren.
Interstitielle Lungenerkrankung (ILD)
Jeder SSc-Patient braucht ein HRCT zum Ausschluss einer ILD. Progressionsmarker: FVC-Abfall ≥10% oder 5-9% + DLCO-Abfall.
Beurteilung Schweregrad & Progress
First-Line Standard
(OFEV)
oder Tocilizumab
Therapieoptionen nach Substanzklasse
Die Kombination aus MMF (Immunsuppression) und Nintedanib (Antifibrose) ist bei fortschreitender Erkrankung sinnvoll und etabliert.
Quellen:
Distler O et al. 2024 Update of EULAR recommendations for the treatment of systemic
sclerosis. Ann Rheum Dis 2024. doi:10.1136/ard-2024-226430
Arthritis
Die Arthritis bei SSc ähnelt oft einer Rheumatoiden Arthritis. MTX ist das Mittel der ersten Wahl.
kurzfristig
First-Line
(v.a. bei ILD/Haut)
Therapieoptionen nach Substanzklasse
Quellen:
Distler O et al. 2024 Update of EULAR recommendations for the treatment of systemic
sclerosis. Ann Rheum Dis 2024. doi:10.1136/ard-2024-226430
Sklerodermie Renale Krise (SRC)
Medizinischer Notfall! Typisch sind steil ansteigender Blutdruck und akutes Nierenversagen. **ACE-Hemmer sind lebensrettend.**
Hochdosierte Glukokortikoide (>15 mg/d) und RNA-Polymerase III Antikörper sind Hauptrisikofaktoren für eine renale Krise.
Therapie
Quellen:
Distler O et al. 2024 Update of EULAR recommendations for the treatment of systemic
sclerosis. Ann Rheum Dis 2024. doi:10.1136/ard-2024-226430
Gastrointestinale Beteiligung
Eine GI-Beteiligung (Ösophagus bis Anorektum) betrifft bis zu 90% der Patienten. Die Therapie erfolgt primär symptomatisch (PPI, Prokinetika), bei Malabsorption (SIBO) antibiotisch.
(Reflux, Dysphagie, Blähbauch)
ggf. Prokinetika
(Rifaximin, Metronidazol)
Therapieoptionen nach Substanzklasse
Quellen:
Distler O et al. 2024 Update of EULAR recommendations for the treatment of systemic
sclerosis. Ann Rheum Dis 2024. doi:10.1136/ard-2024-226430
Therapiematrix
Differentialtherapie Systemische Sklerose
- Starke Empfehlung
- Moderate Empfehlung
- Bedingte Empfehlung / Kann erwogen werden
- × Nicht empfohlen / KI
- Keine Daten/Indikation
| Manifestation | MTX | MMF | RTX | TCZ | Nintedanib | Vaso. | GC |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Hautfibrose | × | ||||||
| ILD | |||||||
| Arthritis | |||||||
| PAH | |||||||
| Raynaud |
- Dosis >15 mg/d vermeiden: Erhöhtes Risiko für sklerodermie-renale Krise (SRC).
- Indikation: Nur mit Vorsicht bei vitaler Indikation einsetzen.
Monitoring
Ein strukturiertes, organ-basiertes Monitoring ist bei der Systemischen Sklerose essenziell, da viele Organmanifestationen (insb. PAH und frühe ILD) zunächst asymptomatisch verlaufen. Die EULAR 2024 Leitlinien empfehlen ein risikoadaptiertes Screening, um irreversible Organschäden zu verhindern.
- PAH-Screening: Jährlich mittels Echokardiographie + DETECT-Algorithmus (bei DLCO < 60%).
- ILD-Screening: HRCT Thorax bei Diagnose (Baseline) für alle Patienten.
- Niere (SRC): Tägliche/wöchentliche Heim-Blutdruckmessung (besonders bei dcSSc/RNA-Pol-III).
- Haut & Digital: Regelmäßige Inspektion auf Ulzera und mRSS-Verlauf.
| Untersuchung | Baseline (Diagnose) | 3-6 Monate | Jährlich |
|---|---|---|---|
| Klinischer Status mRSS, Digitalulcera, Dyspnoe (NYHA) |
|||
| Lungenfunktion FVC, DLCO |
(bei früher dcSSc) |
||
| Echokardiographie sPAP, TR-Velocity, Rechtsherz |
|||
| HRCT Thorax Dünnschicht, Low-Dose |
(bei Indikation) |
Organspezifisches Vorgehen
Das Monitoring sollte immer risikoadaptiert erfolgen. Patienten mit früher diffuser SSc (dcSSc, < 5 Jahre) haben das höchste Risiko für Organprogression und benötigen engmaschigere Kontrollen (alle 3-6 Monate). Bei stabiler limitierter SSc (lcSSc) sind oft jährliche Kontrollen ausreichend.
1. Haut & Peripherie
Die Hautbeteiligung ist das Kardinalsymptom der systemischen Sklerose und dient als wichtiger Marker für die Krankheitsaktivität und Prognose. Der modifizierte Rodnan Skin Score (mRSS) ist der Goldstandard zur Erfassung der Hautdicke an 17 Körperarealen. Eine Zunahme der Hautfibrose korreliert insbesondere in den ersten Jahren der Erkrankung eng mit dem Risiko für interne Organmanifestationen, wie der interstitiellen Lungenerkrankung (ILD) oder der kardialen Beteiligung.
Bei der diffusen systemischen Sklerose (dcSSc) schreitet die Hautfibrose typischerweise in den ersten 3 bis 5 Jahren rasch voran. Dieser Zeitraum wird als "Window of Opportunity" betrachtet, in dem eine aggressive immunmodulierende Therapie den größten Nutzen zeigen kann. Nach diesem peak skin score kommt es häufig zu einer spontanen, langsamen Rückbildung der Hautverhärtung, was bei der Therapiebeurteilung in späteren Krankheitsstadien berücksichtigt werden muss.
Die limitierte systemische Sklerose (lcSSc) zeigt hingegen meist einen schleichenden, über Jahrzehnte stabilen Hautbefall, der auf die Akren und das Gesicht beschränkt bleibt. Hier steht weniger die Progression der Fibrose als vielmehr die vaskuläre Problematik (Raynaud-Syndrom, Teleangiektasien, Calcinosis cutis) im Vordergrund. Dennoch ist auch hier ein regelmäßiges Monitoring wichtig, um schleichende Veränderungen nicht zu übersehen.
Neben der Hautdicke sind digitale Ulzera ein wesentlicher Aspekt des Monitorings. Sie sind Ausdruck der schweren Mikroangiopathie und gehen mit erheblicher Morbidität und Einschränkung der Lebensqualität einher. Pitting Scars (punktförmige Narben an den Fingerkuppen) gelten als irreversibles Zeichen einer ischämischen Gewebeschädigung. Die Kapillarmikroskopie erlaubt eine direkte Visualisierung der Mikrozirkulation und kann durch den Nachweis von Megakapillaren oder avaskulären Feldern frühzeitig Patienten mit hohem Risiko für digitale Ulzera oder PAH identifizieren.
Goldstandard: Modified Rodnan Skin Score (mRSS) zur Quantifizierung der Hautfibrose (0-51 Punkte).
- dcSSc: mRSS alle 3-6 Monate in den ersten 5 Jahren (Zeitfenster der Progression).
- Digitale Ulcera: Inspektion der Fingerkuppen bei jedem Visit. Pitting Scars? Aktive Ulcera?
- Kapillarmikroskopie: Jährlich zum Screening (Musterveränderungen korrelieren mit Organrisiko).
2. Lunge (ILD)
Die interstitielle Lungenerkrankung (SSc-ILD) betrifft einen Großteil der Patienten und ist heute die führende krankheitsbedingte Todesursache. Da die ILD im frühen Stadium oft asymptomatisch verläuft und das konventionelle Röntgenbild eine nur geringe Sensitivität aufweist, ist ein hochauflösendes Computertomogramm (HRCT) des Thorax bei Diagnosestellung für alle Patienten obligat. Nur so können fibrotische Veränderungen ("Ground Glass", Retikulierungen, Honeycombing) frühzeitig detektiert werden.
Das Risiko für eine progrediente ILD ist bei Patienten mit diffuser Hautbeteiligung (dcSSc), Nachweis von Anti-Topoisomerase-I-Antikörpern (Scl-70) und erhöhten Entzündungsmarkern am höchsten. Dennoch können auch Patienten mit limitierter SSc eine klinisch relevante Lungenfibrose entwickeln. Eine regelmäßige Überprüfung der Lungenfunktion (FVC und DLCO) ist daher das zentrale Element des Monitorings.
Ein Abfall der Vitalkapazität (FVC) um ≥ 10% oder ein kombinierter Abfall von FVC (5–9%) und Diffusionskapazität (DLCO ≥ 15%) gilt als definierte Progression gemäß den EULAR-Kriterien. Solche Veränderungen sollten Anlass zur Therapieeskalation geben, noch bevor klinische Symptome wie Belastungsdyspnoe evident werden. Die Kombination aus Nintedanib und Immunsuppression (z.B. Mycophenolat) hat sich als effektive Strategie zur Verlangsamung des Funktionsverlustes etabliert.
Ein wichtiger Aspekt ist die Abgrenzung zur pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH). Eine isoliert erniedrigte DLCO bei erhaltener FVC und ohne signifikante Fibrose im HRCT ist ein starkes Warnsignal für eine pulmonale Vaskulopathie. In diesem Fall muss umgehend eine kardiologische Abklärung mittels Echokardiographie und ggf. Rechtsherzkatheter erfolgen, um eine PAH nicht zu übersehen.
- Abfall der FVC ≥ 10%
- ODER Abfall der FVC 5–9% PLUS Abfall der DLCO ≥ 15%
- Monitoring: Lungenfunktion (FVC, DLCO) alle 3-6 Monate bei früher dcSSc oder bekannter ILD.
- Screening: Jährliche Lungenfunktion bei allen Patienten (auch ohne ILD).
3. Herz (PAH & Myokard)
Kardiale Komplikationen bei der systemischen Sklerose sind vielfältig und umfassen neben der pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH) auch primäre Myokardfibrosen, Reizleitungsstörungen und eine mikrovaskuläre koronare Herzkrankheit. Die PAH ist eine der schwerwiegendsten Spätkomplikationen und tritt typischerweise bei langjähriger limitierter SSc auf, kann aber auch bei dcSSc vorkommen.
Da die PAH lange Zeit asymptomatisch bleibt und dyspnoische Beschwerden oft fälschlicherweise der Lungenfibrose oder Deaktivierung zugeschrieben werden, ist ein aktives Screening essentiell. Die EULAR-Leitlinien empfehlen ein jährliches Screening mittels transthorakaler Echokardiographie für *alle* Patienten, unabhängig vom Subtyp. Der DETECT-Algorithmus kombiniert klinische, laborchemische und echokardiographische Parameter, um die Notwendigkeit einer invasiven Rechtsherzkatheteruntersuchung präzise zu steuern.
Sensitives Screening-Tool zum frühen Ausschluss einer PAH bei SSc-Patienten mit DLCO < 60% und> 3 Jahre Krankheitsdauer.
- Parameter: FVC/DLCO, Telangiektasien, Anti-Zentromer-AK, NT-proBNP, Serum-Urat, EKG (Rechtsachse).
- Quelle: Coghlan JG et al. Evidence-based detection of pulmonary arterial hypertension in systemic sclerosis: the DETECT study. Ann Rheum Dis 2014; 73: 1340–1349. doi:10.1136/annrheumdis-2013-203301
Neben der PAH ist die primäre Herzbeteiligung ("Sklerodermie-Herz") oft unterdiagnostiziert. Eine fleckförmige Myokardfibrose kann zu diastolischer Dysfunktion und Arrhythmien führen. Erhöhte Troponin-Werte oder ein NT-proBNP-Anstieg können frühe Hinweise sein, auch wenn das Echo noch unauffällig erscheint. Das kardiale MRT gewinnt hier als sensitives Diagnostikum zunehmend an Bedeutung.
Ein unerkannter Befall des Reizleitungssystems kann zum plötzlichen Herztod führen. Daher gehört ein regelmäßiges EKG zum Standardmonitoring. Bei Palpitationen oder Synkopen ist ein Langzeit-EKG unverzichtbar. Die therapeutischen Optionen bei primärer Herzbeteiligung sind begrenzt und basieren auf der Behandlung der Grunderkrankung sowie symptomatischer Herzinsuffizienztherapie, was die Wichtigkeit der Früherkennung unterstreicht.
- Echokardiographie: Jährlich (Screening) und bei Dyspnoe.
- Biomarker: NT-proBNP oder BNP jährlich (sensitiver Marker für Rechtsherzbelastung).
- Algorithmen: Nutzung des DETECT-Algorithmus (siehe unten) zur Entscheidung über Rechtsherzkatheter.
4. Niere (Renale Krise)
Die renale Krise (Sklerodermie-Renale-Krise, SRC) ist die gefürchtetste renale Komplikation. Sie tritt typischerweise abrupt in den ersten Jahren einer diffusen SSc auf und ist durch einen malignen Hypertonus und ein akutes Nierenversagen gekennzeichnet. Eine Proteinurie oder Mikrohämaturie können begleitend auftreten, fehlen aber oft initial.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen eine rasche Hautprogression, der Nachweis von RNA-Polymerase-III-Antikörpern sowie eine Therapie mit Glukokortikoiden in Dosierungen > 15 mg/Tag. Interessanterweise scheint eine prophylaktische Gabe von ACE-Hemmern das Auftreten einer SRC nicht zu verhindern, sondern kann deren Erkennung maskieren und den Verlauf sogar verschlechtern. Daher sind ACE-Hemmer als Prophylaxe kontraindiziert.
Die wichtigste Maßnahme zur Früherkennung ist das engmaschige Blutdruck-Selbstmonitoring durch den Patienten. Ein Anstieg des systolischen Blutdrucks um > 30 mmHg gegenüber dem individuellen Basiswert ist ein Alarmzeichen, auch wenn die absoluten Werte noch im normotensiven Bereich liegen sollten. Patienten müssen über diese Warnsignale intensiv geschult werden.
Im Falle einer manifesten SRC ist die sofortige Einleitung einer Therapie mit ACE-Hemmern (z.B. Captopril) lebensrettend. Ziel ist die rasche, aber kontrollierte Blutdrucksenkung, um irreversible Nierenschäden zu verhindern. Trotz der Verfügbarkeit effektiver Therapien bleibt die SRC eine ernste Komplikation mit relevanter Mortalität, weshalb das präventive Monitoring oberste Priorität hat.
- Heim-Blutdruckmessung: Bei Risikopatienten (dcSSc < 5 Jahre) mehrmals wöchentlich empfohlen!
- Warnsignal: Blutdruckanstieg > 140/90 mmHg oder Anstieg um >30 mmHg systolisch im Vergleich zum Basiswert.
5. Gastrointestinaltrakt & Ernährung
Der Gastrointestinaltrakt ist bei fast allen SSc-Patienten (> 90%) betroffen und kann vom Ösophagus bis zum Anorektum reichen. Die Symptome sind oft vielfältig und reichen von Sodbrennen und Dysphagie bis hin zu Diarrhoe, Obstipation und Stuhlinkontinenz. Eine schwere Malabsorption infolge einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) ist eine ernste Komplikation.
Häufig werden die GI-Beschwerden von Patienten bagatellisiert oder als unvermeidbar hingenommen. Ein gezieltes Screening mittels standardisierter Fragebögen (z.B. UCLA SCTC GIT 2.0) kann helfen, das Ausmaß der Beteiligung objektiv zu erfassen. Gewichtsverlust sollte stets als Red Flag gewertet werden und eine Abklärung hinsichtlich Malnutrition und Malabsorption nach sich ziehen.
Die Ösophagusbeteiligung mit Motilitätsstörungen und Reflux führt langfristig zu peptischen Strikturen oder Barrett-Ösophagus. Eine regelmäßige Gastroskopie ist daher indiziert. Bei Verdacht auf SIBO (Blähbauch, wechselnde Stühle) kann ein Glukose-H2-Atemtest diagnostische Klarheit bringen. Die Therapie erfolgt oft symptomatisch mit PPI, Prokinetika und ggf. rotierenden Antibiotikagaben.
Eine anorektale Beteiligung mit Inkontinenz ist für viele Patienten stark tabuisiert, schränkt aber die soziale Teilhabe massiv ein. Aktives Erfragen dieser Symptome durch den Arzt ist entscheidend, um durch Beckenbodentraining oder Sakralnervenstimulation therapeutische Optionen anbieten zu können.
Quellen:
Distler O et al. 2024 Update of EULAR recommendations for the treatment of systemic
sclerosis.
Ann Rheum Dis 2024. doi:10.1136/ard-2024-226430
Khanna D et al. Diagnosis and monitoring of systemic sclerosis-associated
interstitial lung
disease using high-resolution computed tomography. Lancet Respir Med 2023. doi:10.1016/S2213-2600(22)00418-8
Glynn P et al. Cardiovascular Imaging for Systemic Sclerosis Monitoring and
Management. Front
Cardiovasc Med 2022. doi:10.3389/fcvm.2022.846213
Prognose
Der natürliche Verlauf der systemischen Sklerose (SSc) weist eine erhebliche Heterogenität auf, die von milden Verlaufsformen mit nahezu normaler Lebenserwartung bis hin zu rasch progredienten, lebensbedrohlichen Krankheitsbildern reicht. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Prognose insgesamt deutlich verbessert, was primär auf ein besseres Management der renalen Krise und der pulmonal-arteriellen Hypertonie zurückzuführen ist. Dennoch bleibt die SSc die rheumatische Erkrankung mit der höchsten krankheitsbedingten Mortalität.
Ein entscheidender Faktor für die Prognoseabschätzung ist die frühzeitige Subtypisierung in limitierte (lcSSc) und diffuse (dcSSc) Formen sowie die Identifizierung spezifischer Antikörper. Während Patienten mit lcSSc oft über Jahrzehnte einen stabilen Verlauf zeigen, ist die frühe dcSSc durch ein hohes Risiko für schnelle Organprogression gekennzeichnet. Das Mortalitätsrisiko wird heute weniger durch die kutane Beteiligung selbst, sondern maßgeblich durch das Ausmaß der interstitiellen Lungenbeteiligung (ILD) und der kardialen Manifestationen bestimmt.
Risikofaktoren & "Red Flags"
Die Identifikation von Risikopatienten ist essenziell für ein adäquates Monitoring. Meta-Analysen großer Kohorten haben unabhängige Prädiktoren für eine erhöhte Mortalität identifiziert. Neben dem männlichen Geschlecht und einem höheren Erkrankungsalter spielen vor allem organbezogene Faktoren eine Rolle. Besonders das Auftreten einer Organmanifestation in den ersten 3 Jahren (early organ involvement) ist mit einer deutlich schlechteren Langzeitprognose assoziiert.
- Organbeteiligung (Höchstes Risiko):
• Schwere Nierenbeteiligung (HR ~4.2)
• Kardiale Beteiligung (HR ~3.4)
• Lungenbeteiligung: ILD (HR 2.9) und PAH (HR 2.6) - Demographie & Klinik:
• Männliches Geschlecht (HR ~1.9)
• Höheres Alter bei Diagnose (> 60 Jahre)
• Diffuse kutane Form (dcSSc) (HR 2.3)
• Non-Raynaud-Onset: SSc-Beginn ohne vorheriges Raynaud-Phänomen gilt als unabhängiger Risikofaktor für Nieren- und Lungenbeteiligung. - Labor/Serologie: Nachweis von Anti-Scl-70 (Topoisomerase I) oder RNA-Polymerase III Antikörpern, Anämie, erhöhte Entzündungswerte (BSG/CRP).
Mortalität und Überleben
Trotz therapeutischer Fortschritte ist die standardisierte Mortalitätsrate (SMR) im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung weiterhin um das 2,7- bis 3,5-fache erhöht. Es zeigt sich jedoch eine deutliche Verschiebung der Todesursachen: Während früher die renale Krise die Haupttodesursache war, dominieren heute pulmonale Komplikationen (ILD und PAH) das Bild. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines konsequenten pneumologischen und kardiologischen Screenings.
Aktuelle Daten aus großen europäischen Registern (EUSTAR) zeigen folgende geschätzte Überlebensraten ab Diagnosestellung:
- SSc-assoziiert (Dominierend): Lungenfibrose (ILD) und Pulmonale Hypertonie (PAH) machen heute die Mehrzahl der krankheitsbedingten Todesfälle aus. Die renale Krise ist dank Therapie eine fast historische Todesursache geworden.
- Nicht-SSc-assoziiert: Mit steigender Lebenserwartung gewinnen Malignome, kardiovaskuläre Ereignisse und Infektionen als Todesursachen an Bedeutung.
Quellen:
Rubio-Rivas M et al. Survival, Mortality, Causes of Death and Risk Factors of Poor Outcome. In:
Systemic Sclerosis. IntechOpen 2018. doi:10.5772/intechopen.78768
Volkmann ER et al. Update on morbidity and mortality in systemic sclerosis–related interstitial lung
disease. J Scleroderma Relat Disord 2021. doi:10.1177/2397198320915042
Elhai M et al. Trends in Mortality in Patients With Systemic Sclerosis Over 4 Decades. J Clin Med
2024. doi:10.3390/jcm13195834
Leitlinien
EULAR Recommendations for the
Treatment of Systemic Sclerosis (2024 Update)
AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik
und Therapie der systemischen Sklerose